Freitag, 30. April 2010

Nachtrag zur Aktion von Ulrike Nolte im März 2010

Soeben bringt die Post die Ariandne und nun fühle ich mich legitimiert, meinen Artikel für den Brief auch hier zu präsentieren:


Vom Schaf zur Kleidung


Unter diesem Motto lud Ulrike am 27. Und 28.März 2010 ein. 300 Interessierte gaben sich die Klinke der alten Schule Hummersen, die Ulrike zusammen mit ihrem Ehemann als Liebhaber alter Häuser zu ihrem Zuhause erkoren haben, in die Hand. In den Monaten November bis April veranstaltet sie regelmäßig Lichtstubentreffen. Dann wird auf dem ausgebauten, ehemaligen Heuboden des Hauses u.a. gestrickt, gehäkelt, gesponnen.

Zum Markt bot Michael Stücke, Schäfer und Spinner aus der Gegend um Herford, Produkte aus seiner Hof-Selbstvermarktung feil; sein Hummerser Freund Jochen Klinge – einige erinnern sich sicherlich an den aufsehenerregenden, bemerkenswerten, strickenden Mann auf dem Spinnwebentag in Hövelhof- hatte seine Strickfilz-Puschen mitgebracht.

Ingrid Kolleth webte an einem Schal und hatte auch die Ausstellung reichlich mit ihren herrlichen Kunst-Hand-Werken bestückt.

Die Filzerin Angelika Hindricks aus Barntrup zeigte nicht nur wunderschöne Exemplare aus ihrer Filzwerkstatt. Interessierten lehrte sie das Nadelfilzen.

Bernhard Dankbar aus Greven –der Nadelbinder- stellte ebenfalls wunderbare Exponate seines umtriebigen Schaffens zum Verkauf und unterwies Lernwillige in dieser uralten Textilkunst.

Ich selbst reiste sonntags mit Hand- und Standspindeln an und konnte zwei Herren zu Glücksfäden verhelfen. Auch Kalle Knopf folgte nachmittags in Begleitung seiner Frau und seines Spinnrades Ulrikes Einladung. Er fand sogleich eine talentierte Schülerin – wie kann es auch anders sein?

Zu meinem großen Glück lehrte Bernhard mich, wie ich insbesondere Kindern das Spinnen mit der Spindel beibringen kann. Die Kunst des Lehrens beinhaltet doch über das reine Fachwissen hinaus die Aufschlüsselung des Themas in viele, kleine, aufeinander bezogene didaktische Schritte. So verfüge ich nun über eine kleine, feine Spindel-Didaktik, die schon im August in Springe in Verabredung mit Jochen Klinge Anwendung finden wird.

Bemerkenswert war Vieles:

Ulrike hatte in ihrem Wohnzimmer eine heimelige, wohltuende Atmosphäre geschaffen. Nie war ein Märkten eigentümliches Gedränge zu spüren. Die Besucher kamen nach und nach, so dass sich jeder in diesem schönen Haus willkommen fühlen konnte. Auch das Zeigen der eigenen Tätigkeit war vollkommen stresslos, wie es den textilen Künsten so besonders ansteht. Ob auf dem gemütlichen Sofa oder auf mit selbstgenähten Hussen versehenen Stühlen sitzend, es war eine Fülle von Gesprächen möglich, die ich noch nie bei derlei Veranstaltungen erlebt habe. So war von Bernhard in Erfahrung zu bringen, dass auch er die Spinnerei anlässlich eines Jubiläums erlernt hatte. Die Reelsener Spinngruppe hat ja auch ihre Geburtsstunde bei der Durchführung des Dorfjubiläums!

Auch gab es gemeinsame Spinn-Bekannte ausfindig zu machen. Spinnen – und die damit verbundenen Tätigkeiten- verbindet eben!

Der Clou des Marktes war jedoch, dass die Spinnbrüder in der Überzahl waren!!!

Ein historisches Ereignis, dessen Wiederholung kaum wahrscheinlich ist und das es wert ist, festgehalten zu werden. Da jeder der Herren von weiter hergereist war, möchte ich mich zu der These hinreißen lassen, dass Spinnbrüder

a) zur Gattung der Wandervögel zu zählen sind und

b) seltene Vögel sind.

Auf jeden Fall sind sie offen und der Welt zugewandt; das macht sie für mich besonders und wertvoll!

Ulrike Nolte sei von Herzen bedankt für ihren inspirierenden Markt. Unermüdlich wie sie ist, hat sie für den 23. Und 24. 10.2010 einen Herbstmarkt angekündigt. Unter www. anno1823.de kann außerdem Einblick in ihr Schaffen genommen werden.

LG Sabine

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