Montag, 8. November 2010

Im Zweifel

Beim Spinnen – ein Auftrag von Sabina Hengstermann – von Alpaka wird mir deutlich, dass meine Spinnergebnisse mich nicht immer befriedigen.
Es soll ein dicker Faden für Nadelstärke 5 zweifach gezwirnt entstehen. Nun meldet Sabina keine Unzufriedenheit an, ich bin aber ganz und gar nicht zufrieden:
• Ich weiß die Wolle nicht zu bändigen, immer rutscht eine Unregelmäßigkeit mit rein
• Der Faden wird kaum flauschig
• Gezwirnt schaut er aus wie Paketband

Oh je! Ich merke wieder, dass ich am Anfang stehe. Und versuche, mir Wissen anzueignen. Lese Bücher, in denen ich keine Antwort finde. Wie viel Dreh verträgt der ganze Kladderadatsch? Wechsele ständig die Wirtel; spinne ich im langen Auszug? Wieso sind kurze Fasern für den langen Auszug zu bevorzugen? Liegt es an der Wolle. Ich verspann einen maschinell erstellten Kammzug, der brauchte eine andere Spinnerei, er war so wenig gezwirnt, die Fasern stellen sich nicht aufeinander…

Nun sammle ich Fasern und Fadenproben, will sie aufkleben und vergleichen: Versuch und Irrtum

Wieso ist das alles so wichtig?
Ich möchte gezielt spinnen können.
Wissen, was ich tue, variieren können, ohne darauf zu hoffen, es kommt schon was dabei heraus. Ich möchte wissen, was ich tue, auch um keinen Unsinn zu erzählen, wenn ich nach der Spinnerei gefragt werde.
Gibt es das ultimative Spinnwissen? Wahrscheinlich nicht

Ich schätze ja auch das individuelle, das nicht-genormte… und doch bin ich so sehr ungeduldig, weil alles so sehr viel Zeit kostet. Das ist vermutlich das Hauptproblem. Die Zeit rennt immer schneller dahin…


Die Vorbereitung meines Lehrangebotes in Bokenrode im April stellt mich auch vor eine große Aufgabe:
Ich möchte ein ansprechendes, nachhaltiges Programm auf die Beine stellen, das zu mehr Aktivität im Bereich der Handarbeit verführt.
Das Angebot muss zum Veranstaltungsort Bokenrode als erlebnispädagogischer Lernort passen.
Und als Sahnehäubchen möchte ich das Ganze noch dokumentieren- am liebsten in Form eines neuen Büchleins.

Die Auswahl des Lernstoffes ist ja nicht schwer. Das Spindelspinnen ist auf die wesentlichen Schritte zu reduzieren. Möglichst wenig Vorgaben und dogmatische Anweisungen. Möglichst viele Fragestellung und Wissen vermitteln, wie es geht.
Ich bin mir sicher, dass mein Wissen für Spinnanfänger ausreicht.
Ich bin mir auch sicher, eigene Unsicherheiten unumwunden zugeben zu können.

Ich habe für mich auch kein Projekt, für das ich spinne. Momentan kommt alles ins Rad , was frisch aus der Wäsche und dem Färbetopf kommt, ungekämmt aus der Locke.

Ich probiere auch aus, Locken mit Hunde-und Kaninchenkämmen zu sortieren. Die sind recht günstig und gut geeignet, kleine Faserbündel mit langen Fasern zu erstellen. Ein wundervolles Erlebnis, wenn die Locke wie ein Fächer aufspringt und so wunderbar weich in der Hand liegt. Aber sehr zeitaufwendig!
Für den Spinnunterricht ist diese Erfahrung dennoch gut zu gebrauchen: wenig günstiges Material einer Schulklasse zu vermitteln, damit deren mögliches Interesse nicht schon an teurem Gerät scheitert.

Auch stellt das `Weben mit Selbstgesponnenem´ eine Aufgabe dar, da ich keine Weberin bin. Kleine Stückchen bekomme ich hin, keine Frage.
Zum großen Glück arbeite ich in einer sozialpädagogischen Tagesgruppe mit Kindern von 6 bis 14 Jahren. Diese lassen sich schon mal zum Spinnen oder Weben verleiten. Da merke ich dann z. B., dass ich nicht außer acht lassen darf, dass ein Anfängerfaden einfach anders beschaffen ist, als meiner. Eines der Mädchen stellte mir ihre Spinnergebnisse zu Verfügung, damit webe ich ein Armband und sehe, dass der Abstand der Kette zu reduzieren ist, damit nicht allzu große Löcher beim Weben entstehen… Auch der Zeitrahmen ist bei webenden Kindern anders als bei mir; da reduziert sich die von mir gedachte Angebotsfülle ganz von selbst…

Jetzt beim Schreiben wird deutlich, wie sehr ich mich zur Zeit verzettel, wie es in meinem Kopf aussieht; so viele Gedankengänge in diverse Richtungen. Kein Wunder, dass ich im Zweifel bin.
Nun entzweifelt es sich doch. „Erzähle dich selbst“ ist eine gute Methode, sich klarer zu bekommen.
In diesem Sinne grüßt mit LG Sabine

Kommentare:

  1. Ach Du Schreck !! Wenn ich das hier so lese, dann frage ich mich: Kann ich _überhaupt_ spinnen ??
    Derartige Gedankengänge kommen bei mir garnicht vor, spinne ich ausschliesslich "aus dem Bauch heraus".Aus Spaß am Spinnen, zur Entspannung...
    Ich wünsche Dir ganz schnell sortierte Gedanken !!
    LG
    Tatjana

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  2. sei geduldig,deine hände brauchen zeit zum lernen..und nicht jede faser mag jedes spindel oder spinnrad ,deine stimmung spielt auch eine rolle..daher übe viel und mixe fasern..so kannst du flauschige bauschige wolle wie von unseren deichschafen, die kaum filzt wunderbar bauschig spinnen und dann verzwirnt mit der glatten faser könnte es dein traumgarn werden..
    nimm fasern an wie sie sind..wer glatte haare hat,bekommt niemals großen lockenkopf.. aber wer naturkrause hat, bekommt auch keine schönen glatten pferdeschwanz..liebe grüße wiebke

    also nicht fordern...lernen mit loslassen und nichtwollen..das ist spinnen

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